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Value Investing 2026 – wo wir Chancen im aktuellen Marktumfeld sehen

Nach Jahren der Dominanz von Wachstums- und KI-Titeln fragen wir uns: Welche Chancen bietet Value Investing 2026 in den USA und weltweit – und wie bleiben wir diszipliniert?

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Zwischen KI-Hype, Zinswende und Rekordindizes – warum unser Value-Rahmen aktueller denn je ist

In den letzten Jahren schien es zeitweise, als sei Value Investing ein Anachronismus: Wachstums- und KI-Titel dominierten die Performance, während viele klassische Value-Segmente hinterherhinkten. Ende Februar 2026 stehen wir vor einer anderen Ausgangslage: Zinsen liegen deutlich über dem Nullniveau der 2010er-Jahre, Bewertungen in einigen Hype-Sektoren sind hoch, und unter der Oberfläche des Marktes finden wir zahlreiche Unternehmen, deren Preise aus unserer Sicht nicht die langfristige Ertragskraft widerspiegeln.

Wir wollen in diesem Beitrag herausarbeiten:

  • Welche Chancen wir für Value Investing 2026 sehen,
  • wie wir Value-Prinzipien in einer von Technologie getriebenen Welt anwenden,
  • und wie wir Disziplin bewahren, ohne Chancen zu verpassen.

1. Was Value Investing für uns 2026 bedeutet

Für uns ist Value Investing kein starres Regelwerk, sondern ein Denkrahmen. Zentrale Elemente bleiben:

  • Wir wollen Unternehmen zu Preisen kaufen, die unter unserem geschätzten fairen Wert liegen.
  • Wir achten auf Qualität – starke Bilanzen, Wettbewerbsvorteile, fähiges Management.
  • Wir denken in Jahren und Jahrzehnten, nicht in Wochen oder Monaten.

Das bedeutet nicht:

  • dass wir nur auf niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse starren,
  • oder dass Technologie- und Wachstumsunternehmen per se ausgeschlossen sind.

Stattdessen fragen wir bei jeder Gelegenheit:

  • Was bekommen wir wirtschaftlich, wenn wir eine Aktie zu einem bestimmten Preis kaufen?
  • Welchen Sicherheitsabstand (Margin of Safety) haben wir gegenüber unserem fairen Wert?
  • Wie robust ist unser Investmentcase in unterschiedlichen Konjunktur- und Zinsumgebungen?

2. Warum das Umfeld 2026 Value-freundlicher ist als vor einigen Jahren

Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass Value-Ansätze 2026 Rückenwind haben:

  • Positive Realzinsen: Kapital hat wieder einen Preis. Geschäftsmodelle, die nur unter extrem billiger Finanzierung funktionieren, geraten unter Druck.
  • Stärkere Differenzierung: Investoren achten verstärkt auf Profitabilität, Cashflows und Kapitalrenditen.
  • Bewertungsgefälle: Während einige Hype-Sektoren sehr teuer sind, gibt es in weniger beachteten Bereichen attraktiv bewertete Titel.

Wir sehen dadurch mehr Gelegenheiten, Unternehmen zu finden, bei denen:

  • die Ertragskraft unterschätzt wird,
  • kurzfristige Probleme den Kurs drücken, ohne das Geschäftsmodell grundlegend zu verändern,
  • der Markt sich zu sehr auf einseitige Narrative konzentriert (z. B. „langweilig“, „zyklisch“, „nicht KI“).

3. Wo wir aktuell Value-Chancen sehen

Ohne einzelne Titel zu nennen, identifizieren wir mehrere thematische Cluster, in denen wir Value-Chancen prüfen:

  • Qualitätsindustriewerte mit solider Marktstellung, die vom Investitionszyklus in Infrastruktur, Energie und Automatisierung profitieren.
  • Finanzwerte mit konservativen Bilanzen, die von einem gesunden Zinsumfeld und stabilen Margen leben, ohne übermäßige Risiken einzugehen.
  • Gesundheitsunternehmen mit robusten Cashflows und klaren Wettbewerbsvorteilen (Patente, Netzwerke, Marken).
  • Ausgewählte Konsumwerte, die trotz kurzfristiger Belastungen (z. B. hoher Zinsen oder Konsumzurückhaltung in Teilbereichen) langfristig attraktive Positionen haben.

Wir kombinieren diese Ideen mit einer strengen Einzelfallprüfung: Niedrige Multiples reichen nicht – wir wollen verstehen, warum der Markt einen Abschlag gewährt und ob dieser gerechtfertigt ist.

4. KI und Value Investing – Widerspruch oder Ergänzung?

Auf den ersten Blick könnten KI-Hype und Value Investing im Widerspruch stehen. Für uns gilt das nicht:

  • Viele KI-nahe Unternehmen sind aus Sicht des klassischen Value-Investors zu teuer – das muss aber nicht für alle gelten.
  • In Bereichen wie Infrastruktur, „Old Tech“ oder spezialisierter Industrie finden wir Firmen, die vom KI-Trend profitieren, ohne extrem bewertet zu sein.

Wir stellen uns daher weniger die Frage „Value oder KI?“, sondern:

  • Wie können wir Value-Prinzipien auf Unternehmen anwenden, die vom KI-Trend strukturell profitieren?
  • Gibt es Zulieferer, Dienstleister oder Plattformen, die unter dem Radar fliegen, obwohl sie stabile Ertragsquellen haben?

Damit bleiben wir unserem Rahmen treu und nutzen gleichzeitig strukturelle Veränderungen, statt sie zu ignorieren.

5. Fehler, die wir im Value-Kontext vermeiden wollen

Value Investing ist kein Freifahrtschein für:

  • starres Festhalten an „billigen“ Aktien, die aus gutem Grund billig sind („Value Traps“),
  • das Ignorieren von Disruption und strukturellen Veränderungen,
  • oder das Abtun neuer Geschäftsmodelle als „Modeerscheinung“.

Wir wollen insbesondere folgende Fehler vermeiden:

  • Unternehmen zu kaufen, deren Geschäftsmodell strukturell unter Druck steht (z. B. durch technologische Substitution oder Regulierung), nur weil der Preis niedrig ist.
  • Qualitätsunternehmen zu früh abzuschreiben, weil sie kurzfristig „teuer aussehen“, obwohl langfristige Wettbewerbsvorteile und Cashflows klar erkennbar sind.
  • unsere Analysen nicht regelmäßig zu aktualisieren – insbesondere in Sektoren, in denen sich Rahmenbedingungen schnell verändern.

6. Portfolioaufbau: Wie wir Value-Bausteine integrieren

In unserem Portfolio betrachten wir Value nicht als separates „Abteil“, sondern als Grundhaltung:

  • Auch bei Wachstums- und Technologiewerten stellen wir Bewertungsfragen.
  • Auch bei klassischen Value-Sektoren prüfen wir, ob strukturelle Risiken nicht unterschätzt werden.

Praktisch bedeutet das:

  • Wir mischen solide Value-Bausteine (Qualitätsunternehmen mit moderaten Bewertungen) mit ausgewählten Wachstumswerten, die unsere Kriterien erfüllen.
  • Wir achten auf Branchen- und Länderstreuung, um nicht nur in einer Handvoll „klassischer“ Value-Sektoren konzentriert zu sein.
  • Wir definieren im Vorfeld Kauf- und Nachkaufzonen, um in Schwächephasen diszipliniert handeln zu können, statt impulsiv zu reagieren.

7. Geduld und Zeithorizont – der Engpass im Value Investing

Ein zentrales Hindernis im Value Investing ist nicht die Theorie, sondern die Psychologie:

  • Es kann Jahre dauern, bis der Markt unsere Sicht auf einen fairen Wert teilt.
  • Zwischenzeitlich können andere Strategien besser aussehen – insbesondere Momentum- oder Hype-Themen.
  • Es erfordert Disziplin, an einer begründeten Einschätzung festzuhalten, ohne stur zu werden.

Wir versuchen, diese Herausforderung zu meistern, indem wir:

  • unsere Investmentthesen schriftlich festhalten,
  • klare Kriterien definieren, wann wir eine Position überdenken oder schließen,
  • und uns bewusst machen, dass Unterbewertungen nicht über Nacht verschwinden müssen, um am Ende attraktiv zu sein.

8. Makrorisiken im Value-Kontext

Value-Strategien sind nicht immun gegen Makrorisiken:

  • Eine unerwartet harte Rezession kann auch Qualitätsunternehmen treffen.
  • Zins- und Währungsschwankungen können Bewertungen und Gewinne beeinflussen.
  • Politische und regulatorische Entscheidungen können ganze Sektoren neu bewerten.

Wir berücksichtigen diese Risiken, indem wir:

  • ausreichend Liquiditätspuffer halten,
  • nicht alles auf eine Zykluswette setzen,
  • und unsere Positionen in Sektoren mit hohen politischen Risiken bewusst begrenzen.

Value Investing bedeutet für uns nicht, Makro vollständig zu ignorieren, sondern es als Rahmen zu sehen, in dem wir Bottom-up-Entscheidungen treffen.

9. Fazit – Value Investing 2026 als robuster Rahmen

Im Jahr 2026 sehen wir Value Investing nicht als Relikt aus einer anderen Epoche, sondern als robusten Rahmen, um in einer Welt voller Technologiebrüche, KI-Hypes und politischer Unsicherheit rationale Entscheidungen zu treffen.

Wir halten fest:

  • Wir fokussieren uns auf Unternehmenswerte, nicht nur auf Aktienkurse.
  • Wir nutzen Chancen, wenn uns der Markt vernünftige Preise bietet – auch in unbeliebten Sektoren.
  • Wir bleiben bei unserem Kompass: Bewertung, Qualität, Sicherheitsabstand und Langfristigkeit.

So können wir auch in einem Jahr, in dem KI und Wachstumsstories dominieren, eine eigene, fundierte Linie verfolgen – mit der Chance, langfristig überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen, ohne uns von jeder Mode treiben zu lassen.

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