Value Investing zielt darauf ab, unterbewertete Aktien qualitätsvoller Unternehmen zu finden und langfristig zu halten. Auch im Jahr 2025 gelten die bewährten Prinzipien: innerer Wert, Sicherheitsmarge und Geduld. In diesem Beitrag erklären wir die Kernideen, ordnen die aktuelle Marktphase ein und erläutern den Entscheidungsrahmen – ohne konkrete Produktempfehlungen zu verkaufen.
Was ist Value Investing?
Value Investing ist eine Anlagestrategie, die auf den Ideen von Benjamin Graham und seinem bekanntesten Schüler Warren Buffett aufbaut. Die Grundidee ist einfach: Aktien sind Anteile an echten Unternehmen – nicht nur Handelspapiere. Der faire Wert eines Unternehmens ergibt sich aus seinen künftigen Gewinnen, seinem Cashflow und seiner Bilanzstärke. Wenn der Börsenkurs unter diesem fairen Wert liegt, entsteht eine Sicherheitsmarge – der Value-Investor kauft dann und hält langfristig, bis der Markt den Wert erkennt.
Entscheidend sind fundamentale Kennzahlen: Gewinn je Aktie, freier Cashflow, Eigenkapitalrendite, Verschuldung und Buchwert. Kurzfristige Kursbewegungen, Nachrichten und Stimmung spielen für die Bewertung keine Rolle – sie können aber Gelegenheiten schaffen, wenn qualitätsvolle Unternehmen zeitweise unter Druck geraten. Wir nutzen diese Einordnung als Rahmen für unsere Entscheidungen.
Die Sicherheitsmarge – Kernstück der Strategie
Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Schutzkonzept des Value Investing. Sie entsteht, wenn wir ein Unternehmen zu einem Preis kaufen, der deutlich unter dem geschätzten inneren Wert liegt. Warum ist das wichtig? Weil jede Schätzung fehleranfällig ist. Die Zukunft ist unsicher – Konjunktur, Wettbewerb, Regulierung und Technologie können sich anders entwickeln als angenommen. Eine ausreichende Sicherheitsmarge federt Fehler ab: Selbst wenn der innere Wert niedriger ist als geschätzt, bleiben wir im Plus, solange der Kaufpreis tief genug war.
Benjamin Graham empfahl, nur zu kaufen, wenn die Sicherheitsmarge groß genug ist – typischerweise mindestens 25 bis 33 Prozent unter dem geschätzten Wert. In der Praxis bedeutet das für uns: Keine Kaufempfehlungen nachjagen, keine überteuerten Wachstumstitel kaufen, sondern geduldig warten, bis Qualitätsunternehmen zu fairen oder günstigen Preisen gehandelt werden.
Value vs. Growth – warum Value 2025 wieder im Fokus steht
Jahrelang dominierten Wachstumsaktien – vor allem US-Tech – die Börsen. Niedrige Zinsen und großzügige Bewertungen trieben Kurse in die Höhe. Value-Aktien, also Unternehmen mit niedrigeren Bewertungen und oft stabileren Gewinnen, hinkten hinterher. Seit die Zentralbanken die Zinsen angehoben haben und die Bewertungen unter die Lupe genommen werden, hat sich das Blatt teilweise gewendet.
Höhere Zinsen belasten Wachstumstitel stärker, weil deren Gewinne oft weit in der Zukunft liegen – und künftige Gewinne werden mit höheren Zinsen stärker abgezinst. Value-Aktien mit stabilen Gewinnen und angemessener Bewertung können in solchen Phasen besser abschneiden. Zudem sind Value-Strategien in Bärenmärkten und Rezessionsphasen historisch oft robuster gewesen: Unternehmen mit starken Bilanzen und niedriger Verschuldung überstehen Krisen besser.
Das bedeutet für uns nicht, dass Growth-Investing tot ist – aber die Phase der einseitigen Überperformance von teuren Wachstumstiteln ist vorbei. Für uns, die wir Wert auf Stabilität und Bewertung legen, bietet Value Investing 2025 wieder attraktivere Einstiegschancen.
Wie wir Value Investing umsetzen können
Es gibt verschiedene Wege, Value Investing umzusetzen: Einzeltitelanalyse oder Value-orientierte Indizes. Wir empfehlen kein konkretes Produkt – wir ordnen die Optionen ein.
Einzeltitelanalyse erfordert Zeit und Disziplin. Wir müssen Geschäftsberichte lesen, Kennzahlen vergleichen, die Wettbewerbsposition einschätzen und einen inneren Wert schätzen. Das ist anspruchsvoll und nicht für jeden geeignet. Wer es macht, sollte nur in Unternehmen investieren, die er versteht, und nie mehr Risiko eingehen, als er verkraften kann. Wir halten uns an diese Regel.
Value-orientierte Indizes bilden Titel ab, die nach Bewertungskriterien (z. B. niedriges KGV, hohe Dividendenrendite, niedriges KUV) gewichtet sind. So erhält man eine Streuung über viele Value-Titel ohne Einzelanalyse. Die Kosten sind in der Regel gering, die Transparenz hoch. Nachteil: Man übernimmt die Definition von „Value“, die der Indexanbieter wählt – und die Performance kann zeitweise hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben, wenn Growth-Phasen dominieren. Welchen Index oder welches Produkt jemand wählt, liegt in seiner Verantwortung.
Breite Streuung über viele Regionen und Branchen ist keine reine Value-Strategie, enthält aber viele Value-Titel und bietet maximale Streuung. Für uns ist das ein robuster Rahmen – ergänzt optional um Value-orientierte Titel oder Indizes, wenn wir die Strategie schärfen wollen. Wir verkaufen kein bestimmtes Produkt; wir erläutern den Rahmen.
Praktische Tipps für 2025
Geduld: Value Investing funktioniert langfristig. Kurzfristig können unterbewertete Titel weiter fallen oder seitwärts laufen. Wir verlieren nicht nach wenigen Monaten die Geduld – sonst setzen wir die Strategie nicht erfolgreich um.
Streuung: Auch bei Value gilt für uns: Nicht alles auf eine Karte setzen. Mehrere Titel oder eine streuende Anlage reduzieren das Einzelrisiko. Wie jeder das konkret umsetzt, liegt bei ihm.
Keine Hebel: Value Investing baut auf Sicherheitsmarge und Geduld. Hebelprodukte und Kredite widersprechen diesem Ansatz und erhöhen das Risiko massiv. Wir nutzen keine Hebel.
Regelmäßig prüfen: Einmal gekaufte Titel vergessen wir nicht. Wir prüfen, ob die Investmentthese noch gilt – Gewinnentwicklung, Verschuldung, Wettbewerb. Wenn sich die Fundamentaldaten dauerhaft verschlechtern, kann ein Verkauf sinnvoll sein. Das ist für uns eine bewusste Einordnung, keine automatische Regel.
Risiken
Value Investing birgt Risiken: Die Schätzung des inneren Werts kann falsch sein; die Märkte können lange irrational bleiben; Einzeltitel können stark fallen. Wir ignorieren diese Risiken nicht. Eine robuste Strategie berücksichtigt sie durch Sicherheitsmarge, Streuung und Anlagehorizont. Keine Anlage garantiert eine bestimmte Rendite – jede Entscheidung liegt in der alleinigen Verantwortung des Anlegers.
Fazit
Value Investing bleibt auch 2025 eine bewährte Strategie. Die Kernprinzipien – innerer Wert, Sicherheitsmarge und Langfristigkeit – sind für uns unverändert. Nach Jahren der Dominanz von Wachstumsaktien rücken Value-Aktien wieder stärker in den Fokus. Wir können die Strategie über Einzeltitel, Value-orientierte Indizes oder breite Streuung umsetzen – welche konkreten Instrumente jemand wählt, entscheidet er selbst. Entscheidend sind für uns Qualität, Streuung und Disziplin – nicht der kurzfristige Trend. Wir brauchen weder die nächste Schlagzeile vorherzusagen noch jeden Marktzyklus zu timen. Wie jeder Anleger das konkret umsetzt, liegt in seiner Verantwortung.
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